Beraterbeenden 2.0

von fremdtrinker

Nun ist es also doch wieder passiert. Das limbische System tanzt Salsa nach einem Metronom am Anschlag, doch das Über-Ich verteilt strafende Peitschenhiebe. Nein, den Tod eines Menschen, noch dazu einen gewaltsamen Tod, den kann und darf man nicht gut finden. Selbst wenn es sich beim toten Menschen um einen „Berater für strategische Unternehmensführung“, neudeutsch einen „Principal Stategic Management Consultant“, handeln sollte.

Trotz dieser moralischen Anfechtungen stellte sich zumindest das Gefühl einer entspannten Zufriedenheit gepaart mit einer latenten „Recht so!“-Aufwallung im Kopfe und im Bauche ein. Dies alles ist geschehen beim gestrigen Blut-und-Tränen-Klassiker Tatort im Ersten Deutschen Fernsehen (Unter Druck).

Die Minuten danach: Erschrockene, biergetränkte Introspektion frei nach Novalis, auf dass der geheimnisvolle Weg nach innen gehen solle, brachte eine erschreckende Einsicht zutage – nein, halt, noch keine Einsicht, eher eine Sequenz aus beunruhigenden Fragen: Wann fliegen im wirklichen Leben die ersten Berater, Personalentscheider und Manager aus den Fenstern? War die Drohung der französischen Belegschaft einer Notechmoreno­-Fabrik, ebendiese nach Bekanntwerden der verschleppten Insolvenz des Notechmoreno-Konzerns mit Propangasflaschen in die Luft zu sprengen, ja war diese Drohung eine einmalige Angelegenheit oder nur ein Vorspiel zu dem, was uns im kommenden Aufstand erwarten wird? Und wer gewinnt noch mal, wenn fast alle verlieren?

Vereinfacht könnte man auch fragen: Wann ist genug eigentlich genug? Wenn es nur nach den real existierenden und noch lebenden Kollegen des ermordeten Management Consultants aus dem Tatort ginge, dann wäre genug erst die erste Stufe von mehr (dann gefolgt von noch mehr). Mehr Folgeaufträgen für die Beratungsfirmen, mehr „Pro-Kopf-Auslastung“ der Angestellten der globalen Unternehmen und einfach nur mehr von allem für immer weniger.

Nun gilt die Binsenweisheit, dass Menschen zu allem fähig sind, wenn sie nur stark genug unter Druck gesetzt oder in die Enge getrieben werden. Und dies freilich nicht nur in der konstruierten Wirklichkeit von organisierter Sonntagabendunterhaltung. Noch bleiben im wirklichen Leben die Propangasflaschen im Keller bei der Camping-Ausrüstung. Noch fallen die Berater lediglich unangenehm auf aber nicht aus diversen Fenstern. Aber schon wieder stimmt das limbische System südamerikanische Rhythmen an beim Gedanken, was denn den smarten Spezialisten zur Firmenabwicklung alles hätte passieren können, damals, als unter Aufgabe sämtlicher Anstandsregeln und sozialer Kriterien „schwarze Listen“ von überflüssigen Mitarbeitern erstellt wurden und diese intern als „Wasserköpfe“ bezeichnet wurden … Hey, Über-Ich, das darf doch wohl mal gesagt werden, oder!

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