Das Schuhanprobesyndrom

von fremdtrinker

Dass nun auch der Kulturbetrieb endlich einmal ein Männerkrankheitsbild als Sujet entdeckt hat, bringt wenigstens in Ansätzen ein Gefühl, welches mit Genugtuung beschrieben werden könnte. So wird etwa momentan am Theater Kiel im Stück Schwitzende Männer im Schuhgeschäft ein Phänomen aufgegriffen, welches in der medizinischen Fachwelt auch als Schuhanprobesyndrom bekannt ist. Zu 95 % sind davon Männer betroffen. Das Syndrom tritt stets auf, wenn ein Mann im Schlepptau einer Frau mal eben schnell ein Schuhgeschäft betreten muss, weil es dort wohl laut Anneliese gerade unglaublich gute Angebote gebe. Was daraufhin passiert ist in etwa immer dasselbe: Der Blutzuckerspiegel des Mannes fällt innerhalb der ersten 30 Sekunden nach Betreten des Geschäftes ins Bodenlose, er wird von zunehmend stärker werdenden Gähn-Attacken gepeinigt und rettet sich zumeist auf eine der in jedem besseren Schuhgeschäft bereitstehenden Notfallpritschen (in Billig-Schuhläden sackt er einfach mit einem kurzen Seufzer zu Boden).

Von Frauen wird dieses Verhalten oftmals in seiner Gänze fehl interpretiert oder gar als mutwillige Sabotage des gemütlichen Einkaufsbummels missverstanden. Die moderne Paarforschung hat hingegen schon längst eine psychosomatische Erklärung dieses Phänomens parat: Können Singles über ihre eigenen Energiereserven relativ frei verfügen, so besitzt jedes Paar nach einer gewissen Zeit einen gemeinsamen Pool von Energie, in welchen die Einzelenergien der Partner komplett aufgehen. Beim Betreten eines Schuhgeschäftes gerät die Frau dann in einen völlig ekstatischen Zustand und muss daher den gemeinsamen Energiepool massiv anzapfen, um nicht aufgrund der zahlreichen Schnäppchen zu hyperventilieren. Im Gegenzug erlebt der Mann zur gleichen Zeit eine energetische Ebbe, gegen die sich die Müdigkeit nach dem Sexualakt als extrem euphorisches Gefühl beschreiben ließe.

Das Phänomen dieser einseitigen Nutzung des gemeinsamen Energiepools sollte sich eigentlich auch in umgekehrter Konstellation beobachten lassen, etwa wenn Mann und Frau gemeinsam Elektronikmärkte, Second-Hand-Plattenläden oder gar Fußballspiele besuchen. Leider gibt es hierzu jedoch kaum verlässliche empirische Daten.

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