fremdtrinken

Wenn fremdschämen nicht mehr reicht …

Kategorie: Endspieltrinker

SozPädInnenPogo

by fremdtrinker

„Kopf hoch und Arsch in den Sattel!“, tönte es aus der Küche. „Erst in die Hölle und dann zu Ikea! Das trauernde Volk gegen das eine gute Leben. Ist es ein bisschen bitter oder wirklich schwer, das Glas halb voll oder doch halb leer? Und wen interessiert das bitte sehr …?“

„Mich auf alle Fälle nicht“, rief ich aus dem Bad, Handtuch um die Hüften, die Zahnbürste war frisch eingeschmiert. „Bist du denn wenigstens schon aufgeheizt?“

„Und dann beginnt der Verteilungskampf. Oh hallo Angst, und dich kriegen sie auch noch!“

Seit Saeco via DLAN auch Zugriff auf meine itunes-Sammlung bekommen hatte, war nichts mehr wie zuvor. Besonders schlimm wurde es dann aber vor zwei Wochen, als er die Playlist „Tanzende Sozialpädagogen“ entdeckt und lieben gelernt hatte. Seitdem zitiert er ständig Texte von Kettcar und Jupiter Jones. Alle meine Erklärungen, dass schon der Titel der Liedersammlung ironisch gemeint, und die Musik der Bands bemüht im Text und uninspiriert bei der Instrumentierung war, gingen bei Saeco per Aufschäumdüse in Dampf auf.

„Muss die Vollidioten grüßen, darf den Glauben nicht verlieren.“

Offensichtlich war er nun aufgeheizt. Wie so oft in den letzten Tagen, ließ ich mich wider besseren Wissen auf eine Diskussion mit ihm ein. Zuerst ging es um künstlerische Innovationen im Allgemeinen und den historischen Wert der sogenannten ‚Hamburger Schule‘ im Speziellen. Wie fast immer in den letzten Tagen endete unser Gespräch zu guter Letzt aber mit der Negierung sämtlicher Werte des jeweils anderen.

„Das ist doch Musik für Gutmenschen“, startete ich die Attacke. „Sozialpädagoginnen und Erziehungswissenschaftler, die Arm in Arm auf dem Kettcar-Konzert um die Wette schunkeln. Irrelevant.“ Ich war inzwischen in die fast vollständig in Dampf gehüllte Küche gekommen. Saeco war nun definitiv aufgeheizt. Allerdings hatte er momentan aber auch überhaupt keine Lust, Milch aufzuschäumen und Espressocrema zu produzieren.

„Du und dein elitäres Gehabe, das nervt manchmal ganz schön!“, zischte er von seinem Platz hervor. „Nie bist du mit irgendwas zufrieden zu stellen. Ich halte es da weiterhin mit Kettcar: Man sollte vielleicht aufhören zu hoffen, das Bier ist kalt, das Herz ist längst gebrochen …“

„Du bist aber kein Kühlschrank, du bist ein Siebträger, eine Kaffeemaschine!“, erwiderte ich. Erste Anzeichen von Koffeinentzug machten sich bei mir bemerkbar.

„An die Ironie-Hölle und die halb guten Witze, an das letzte Beben, die Apokalypse. Die Idylle hier drin und das Böse da draußen, an Calle del Haye als besten Linksaußen. An die Kopfschmerztabletten und Hoffnung als Mittel, an die Männer in weiß in den komischen Kitteln. Tut uns leid Herr Traurig, vielleicht einhundert Tage. An die beste Antwort auf die letzte Frage. Und nichts.“

Und Crema gab es auch nicht.

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No Presso

by fremdtrinker

„Nur die Ruhe bringt´s!“ Diese alte aber doch stets aktuelle Weisheit meines Vaters war das Einzige, was ich auf den überschäumenden Wortschwall von Saeco erwidern konnte. Zugegeben, nicht meine stärkste Replik in diesem Jahr, aber immerhin brachte sie mir ein paar Sekunden morgendlicher Ruhe von den verbalen Ergüssen meines depressiven Ein-Viertel-Espresso-Halbautomatens . Saeco dampfte währenddessen weiter aus seiner leicht verschmutzen Aufschäumdüse vor sich hin. Sein Dampf benetzte bereits die untere Seite des Küchenhängeschranks, dessen Anrichte er schon seit Jahr und Tag sein Zuhause nannte. Dass es aber immer noch in im brodelte, dass er noch längst nicht mit unserer Diskussion abgeschlossen hatte, dies erkannte ich aus den gurgelnden, glucksenden und blubbernden Geräuschen, welche aus den Eingeweiden seines etwas verkalkten Boilers kamen. Und schon legte er auch wieder los:

–      Nehmen wir also nur mal für eine Sekunde lange an, ich glaubte Dir. Mal für eine Sekunde. Stellen wir uns also vor, du würdest als einer der wenigen NICHT auf diese plumpe Werbung dieser Schweizer hereinfallen und dir also NICHT eine dieser ach so sexy aussehenden, so superpotenten und vollautomatischen Kapselmaschinen anschaffen, würdest du dann aber auch über die nächsten Jahre die Diskussionen mit Deiner Frau durchstehen, die mich – und ich zitiere hier wörtlich –, bereits mehrfach als vierschrötige, klotzig und klobige Ungestalt bezeichnet hat, welche wie aus der Zeit gefallen wirke? Na, glaubst Du, das stehst du auf Dauer durch, oder werde ich nicht doch dann gegen eine dieser Kapselmaschinen ausgetauscht und verschrottet, ich, der dir über Jahre mehrmals täglich deinen caffé macciato gezaubert hat?

Immer wieder faszinierte mich seine perfekte Intonation italienischer Kaffeespezialitäten. Gut, er war ja auch vom Fach. Stets brachte er mich damit aber wieder in Gedanken zurück nach Bella Italia: Mein Saeco war und blieb dieses Gefühl von Unbeschwertheit einer morgendlichen Agip Tankstelle an der Brennerautobahn mit einem dampfenden Espresso in der Hand.

–      Schläfst du wieder, oder was?

Allerdings war Saeco im Laufe der Zeit doch ein klein wenig hektischer und fordernder geworden als eine Agip Tankstelle in der Morgensonne. Dies lag wahrscheinlich daran, dass er bereits seit zwei Jahrzehnten ein deutsches Herrchen hat. Eventuell hätte ich ihm in seinen jungen Jahren etwas mehr von der Weisheit meines Vaters vermitteln sollen. Gut, dafür war es jetzt wohl zu spät.

–      Nein, nein, ich bin völlig bei Dir. Mir ist nur wieder gerade aufgefallen, dass du immer noch nicht den Namen dieser Kapselmaschinenhersteller aussprechen möchtest. Das erinnert mich halt nur ein wenig an die Zeit, als Porsche zu uns kam, und du ihn mindestens ein halbes Jahr lang komplett ignoriert hast. Und nur weil …

–      Wer sich als Wasserkocher wie ein Sportwagen nennt, der muss doch auch hochgradig gestört sein! Bildet sich ja soviel ein, der feine Herr, nur weil er aus einem ach so tollen Designstall kommt, der Schnösel …

–      Kann es nicht sein, dass du einfach sauer warst, weil nun nicht mehr alles kochende Wasser mühsam über deine Heißwasserdüse kommen musste, so wie während unserer gemeinsamen Studententage, sondern es nun einen Profi gab, der diese Funktion übernahm?

Saeco gurgelte und blubberte weiter vor sich hin, schwieg aber ansonsten. Offenbar haben wir Amateure alle Probleme, wenn wir durch Profis ersetzt werden. Oder umgekehrt. Ich sollte Saeco in das nächste Zielfindungsgespräch mit wahlweise meinem Chef oder meiner Therapeutin nehmen. Momentan genoss ich aber einfach nur die Ruhe an diesem Sonntagmorgen, untermalt von einem meditativen Blubbern und Glucksen.


Der Strahlemann und die Versicherung

by fremdkotzer

Geht es Ihnen genauso wie mir? Finden Sie diesen aufgesetzten, schwammig inszenierten Zynismus der Beiträge dieses Blogs auch so zum Kotzen? Willkommen in meiner Welt! Ich denke, es ist an der Zeit, das pseudo-elegante Florett der Satire einzustecken und den groben und krummen Säbel der Fakten auszupacken. Nein, es ist keine Schande, sich einzugestehen, dass man wirklich nicht so viel fremdtrinken kann, wie man eigentlich fremdkotzen müsste. Aus diesem Grund werde nun ich ab und an auf diesem Blog das Ruder übernehmen. Angenehm, Fremdkotzer. In meinen Beiträgen werden Sie lange auf „witzige“ Erlebnisse von „super“ zusammengereimten literarischen Figuren warten müssen. Nach der Machtübernahme schreibt hier nun jemand so, wie es wirklich ist. Recht so! Ich, jetzt, hier – das ist die Perspektive. Ich hoffe, Sie vertragen das!

Genug gequasselt, zum Thema. Kotzt Sie denn das auch alles so an, das mit den blöden AKWs? Jeden Morgen zum Frühstück geht so ein Ding in die Luft. Restrisiko mein Arsch. Dass wir über Jahrzehnte hinweg bezüglich der Sicherheit von diesen Dingern belogen wurden, das ist ja wohl jedem klar. Was aber eventuell nicht allen auf den ersten Blick einleuchtet, ist die Tatsache, dass die Legende vom billigen Atomstrom eben auch nur eine dumme Legende ist. Dies weil die finanzielle Absicherung für den Katastrophenfall ganz elegant auf die Allgemeinheit umgelegt wurde. Oder meinten Sie etwa, irgendeine Assekuranz hätte so ein AKW für einen GAU abgesichert? Dachten Sie wohl, oder? Weil diese Dinger ja so unglaublich sicher sein müssten, das wäre doch ein absolut sicheres Geschäft für diese Versicherungen? Dachten Sie, richtig. Mein Gott, wie naiv! Gut, dann lesen Sie  erst einmal hier nach, vorher brauchen wir uns erst gar nicht weiter zu unterhalten. Bitte, seien Sie doch einmal vorbereitet, wenn Sie auf diesem Blog vorbeischauen. Müssen wir immer wieder bei Null anfangen? Nach Fukushima vielleicht schneller, als wir alle dachten. Das Zeitalter der Kakerlaken könnte bald beginnen, und mit diesen Tierchen meine ich nicht ausschließlich die Versicherungsgesellschaften.

Götterflüsterer und Weingeister

by fremdtrinker

*** EILMELDUNG! Einer der freien Mitarbeiter dieses Blogs hat mitgeteilt, dass er bis auf weiteres auf das Tragen seines Doktortitels verzichten wird. Als Grund gab er die mittlerweile erwiesenen Vorwürfe an, er habe sich unzitierter Quellen sowie weiterer unerlaubter Hilfsmittel bedient. ***

Dörsheim an der Dörr.
Dr. Hain Falt, promovierter Islamist und freier Autor des Blogs fremdtrinken hat gestern Abend in einer bewegenden Aussprache mit der Presse schwere Fehler beim Erstellen seiner Dissertation mit dem Titel „Gott, der Wein und das Weib im Spiegel noch ungeschriebener Suren“ zugegeben. Wörtlich gab er von sich:

Ich gestehe. Meine Dissertation ist ungültig, ich war gedopt. Unter der Einnahme schwerer Alkoholika stellte ich einen direkten Kontakt zu Gott her. Mindestens 60% meiner Arbeit bestehen hiermit aus den himmlischen Einflüsterungen, ohne dass ich diese als Zitate kenntlich gemacht hätte. Der Rest der Arbeit entstand während der langen Kneipenabende dieser Zeit am Tresen mit Prof. Heinz Dieter D. Ich bedauere zutiefst, die Öffentlichkeit über Jahre hinweg getäuscht zu haben.

Ich habe daher beschlossen, für den Zeitraum von zwei Wochen auf ein Gottesurteil zu warten. In dieser Zeit werde ich den Doktortitel nicht führen oder benutzen. Sollte mich bis dahin nicht der kalte Blitz, vulgo der Zorn Gottes, getroffen haben, und der Doktor samt Titel damit pulverisiert worden sein, so werde ich meinen akademischen Grad spenden, und zwar an an die gemeinnützige Organisation „Bildung für benachteiligte einarmige Harz 4 Empfänger mit armenischen Wurzeln“ .

Ob sich Dr. v.a.D. (Doktor vorübergehend außer Dienst) Falt zu seinem überraschenden Geständnis durch die momentan hitzige Diskussion um den deutlich prominenteren Fall Dr. ebenfalls v.a.D. Freiherr von und zu Guttenberg gedrängt sah, ließ der noch promovierte Islamist offen. Unbestätigten Quellen zufolge merkte er aber wohl gestern spät abends in seiner Stammkneipe an, dass er Guttenberg für unschuldig hielt. Als Grund nannte er, dass Juristen wohl nie göttlichen Beistand bei Abschlussarbeiten bekämen, hierzu bedürfe es ja einer gewissen akademischen Satifsfaktionsfähigkeit. Und alles andere sei doch wohl eher ein Kavaliersdelikt.



Weinstreichler

by fremdtrinker

Neulich saß Ernst einmal wieder über Milchkaffee und seinem Moleskine –Notizbuch (liniert und dennoch leer) und tagträumte im Takt der auf- und abschwellenden Dampfgesänge einer halbentkalkten Saeco-Gastronomie-Espressomaschine. Während er noch über seine Entscheidung grimmte, sich für das linierte und nicht doch das karierte Moleskine-Büchlein („Das legendäre Notizbuch der Intellektuellen und Künstler“) entschieden zu haben – das karierte hatte von Werk ab bereits den doppelten Inhalt des linierten, also viel mehr Striche fürs Geld -, musste er bemerken, wie seine Aufmerksamkeit immer mehr schwand, und er begann, sich für die mitfrühstückenden Bohemiens in seiner Nähe zu interessieren. Besonders die Gespräche vom Tisch schräg links gegenüber, Luftlinie wohl drei Meter, welche aber durch die schrillen, ja fast schon hysterischen Stimmen der beiden weiblichen Tischbewohnerinnen etwas reduziert wurde, ja besonders dieses Gespräch raubte Ernst den Rest seiner Aufmerksamkeit. Obwohl akustisch durch den enormen allgemeinen Lärmpegel, produziert durch die übrigen fröhlich schnatternden zeitvernichtenden Cafébesucher, akustisch herausgefordert, so erkannte er doch, dass es am Nebentisch offenbar um Probleme mit aktuellen oder ehemaligen Beziehungen zu gehen schien. Während er versuchte, Sinn aus den ihm zugetragenen Satzfetzen zu konstruieren, betrachtete er aus den Augenwinkeln die beiden so aufgeregt gestikulierenden Gesprächspartnerinnen: Beide blond, beide mit Barbour-Jacken (eine lilablassblau, die andere in einem ins Ocker übergehenden Rotton) lässig über die Lehnen der beiden freien Stühle ihres Tisches geworfen, womit auch der große Teil ihrer Einkaufstaschen, die auf den Sitzflächen dieser Stühle positioniert waren, verdeckt wurden. Ernst konnte nur die Werbeaufschrift zweier Taschen ausmachen, es stand einmal Hallhuber darauf, die andere wurde wohl im Mainzer Flagshipstore von Escada gefüllt.

Mit voller Börse und gefüllten Tüten ließen sich Kümmernisse mit Männern wohl leichter ertragen, dachte Ernst, als auf einmal der allgemeine Geräuschpegel rapide sank (dem Soziologenstammtisch drei Tische weiter waren wohl kurzfristig die wirklich witzigen Witze ausgegangen, oder es gab auf alle Fälle kein akustisches Feedback der Zuhörerschaft mehr), und unser schwermütiger Caféliterat konnte dadurch das Gespräch der beiden Frauen fast ungestört hören:

– … also mir war eigentlich schon früh klar, dass er keine Lust mehr auf mich hatte. Der ist ja wochenlang ohne Morgenlatte aufgewacht. Hat dann aber Monate gedauert, bis ich herausfand, dass da doch etwas war, mit der Babsi aus seinem Büro, dieser Schlampe …
– Diese Schlampe, ich kann es nur immer wieder sagen, diese Schlampe!
– Genau! Und das ist der Grund, warum ich seit zwei Monaten trinken tue. Na ja, immerhin versuche ich ja, mich nicht einzuigeln, aktiv wieder auf die Welt zuzugehen. Bin ja jetzt bei diesem Winetasting­-Seminar der Weinschule Eckstein, Motto „was für ein schöner Abend“. Na ja, ein Nachfolger für Peter, diesen Hurenbock ist noch nicht in Sicht, aber das Trinken mit Gleichgeschädigten hilft schon sehr …
– Ja ja, es ist schon wirklich schade, dass man Wein nicht streicheln kann, so sagt man doch …

In diesem Moment gab es zwei Schläge, Ernst schlug auf den Boden und traf dabei mit dem Bein seinen Tisch, worauf der – zum Glück bereits leere – Milchkaffeebecher die Balance verlor und auf Ernstens Kopf aufschlug. Was war passiert? Die Soziologen hatten ihren lautstarken Spaß an Erläuterungen zur gescheiterten Gesellschaft wiederentdeckt und damit das Café lautstärkenmäßig auf ein Neues in das Fußballstadion am Mainzer Bruchweg verwandelt. Dadurch musste Ernst die akustische Luftlinie zum Tisch der Damen verkürzen, welches er durch kurze Kippelbewegungen mit dem Stuhl sowie ein leicht schmerzhaftes Dehnen der Nackenmuskulatur zu erreichen suchte, um somit dem rechten Ohr die ideale Empfangsposition zu verschaffen. Als jedoch das Bild des Weinstreichlers sowohl im Gespräch der Damen als dann auch Millisekunden später in seiner bildhaften Vorstellung manifest wurde, just in diesem Moment waren wohl zu viele kognitiven Fähigkeiten beim Sprach- und Weltverstehen gebunden, als dass Ernst noch die körperliche Balance hätte halten können.

Nach seinem Sturz war er binnen Schaltsekunden wieder auf den Beinen, beseitigte routiniert die angerichteten Schäden, bezahlte die Rechnung, nicht ohne ein besonders üppiges Trinkgeld zu hinterlassen und stürmte aus seinem Stammcafé. Nicht jedoch, ohne den erstaunten beziehungsgeschädigten Vinophilen vom Nebentisch noch einen Satz fürs Leben, eine Weisheit aus der Gosse entgegenzuschleudern: Nein, meine Damen, streicheln Sie Wein so lange, wie sie möchten. Richtig schade ist aber nur, dass man Bier nicht ficken kann.

Das musste ja wohl mal gesagt werden! Und es ward Stille.

Morgenschöner

by fremdtrinker

Erwachen neun Uhr Zustand unerfreulich lange Nacht zu lange egal Bier und Freunde halbwegs gut letzteres besser erstes nur Becks egal trotzdem fuck zum Glück heute Heimat Büro kein Problem oder doch egal erst einmal Frühstück Müsli und Saft Vitamine sowieso wichtig dann ein Bier zehn Uhr und der Tag kann kommen und er kommt fuck Emails neu fünfzig erst einmal egal noch ein Bier Tag planen schon verplant noch ein Bier elf Uhr Emails lesen alles unwichtig Wichtigmacher bla bla kann man vertragen nicht wichtig Zielvorgaben wer kann die schon kontrollieren alles abstrakt kapiert doch eh keiner mehr gut reden ist was zählt Substanz doch schon längst weg egal viertes Bier Perl Script Debuggen warum läuft der Dreck immer noch nicht Loquendo Sprachapplikation Tuning Aufgabe kleine Skripte von optimiertem sprich abgebautem Kollegen geerbt natürlich keine Kommentare warum auch egal fuck Eclipse mit PadWalker Modul bringt keine Lösung Scheiße das Denken nach dem vierten Bier wird auch schon schwer ein fünftes kann da helfen Umstieg auf Jever wegen der Vitamine genau egal nun aber ran muss man ja auch sportlich nehmen den Dreck Recht auf Arbeitslosigkeit schön und gut aber die Arbeit kann ja auch Spaß machen sagt der Wirt ja immer also wieder probieren fuck immer noch USE OF UNINITIALISED VALUE fuck fuck fuck Newsgroups können da vielleicht helfen nein glaube ich nicht Jobs sind ja inzwischen so speziell geworden da werden Kollegen global gesehen schon ziemlich knapp fuck doch selber lösen okay ah okay einfach nur eine Zuweisung von einem elementaren Wert in einer Listen- sprich komplexen Umgebung das kann doch nicht funktionieren muss man denn ständig bei 00 anfangen oder was fuck noch ein Bier und  PAUSE  Caps lock on egal und off wer will schon 100% egal Anruf jetzt ziemlich überraschen aus USA interessant neues Projekt sorry project muss noch dieses Quartal zu Geld gemacht werden bewundernswert diese Amis für deren Schnelligkeit aus Scheiße Geld zu machen Sprachverarbeitung für stumme Alzheimer-Patienten dem Account Manager muss man aber wirklich einmal gratulieren also ehrlich also fuck aber egal die machen ja auch nur ihren Job so ein bisschen wie die Berater und irgendjemand muss ja schließlich immer ficken oder gefickt werden sagt Franz immer und der muss es ja wissen der alter Puffvater das letztes Bier für diesen Vormittag der Appetit fürs Mittagessen soll ja bleiben und nachmittags war ja da noch dieses wichtige Meeting mit diesen wichtigen Leuten für dieses wichtige Projekt egal Arbeit ist schon okay man darf es halt nicht zu wichtig nehmen wie war das bei Google 10% für eigene Projekte wir haben hier 110% fürs Saufen und das obwohl der deutsche Ingenieur als Abschluss abgeschafft wurde wieder mal verdammt effizient von uns fuck fuck fuck Umfallen vierzehn Uhr knapp zehn Minuten vor wichtigem Meeting egal dann halt doch Popliteratur Pop Pop fuck fuck …

Reinräumen

by fremdtrinker

Des Krümels TodIm letzten Monat hat Max aus Mühsal seiner Frau Mausi zuliebe die gemeinsame Wohnung am Niederrhein in einen Reinraum der Klasse 100 umgebaut. Der Aufwand hierfür aufgrund gesetzlicher Vorgaben war enorm, allein der Einbau der Luftschleusen im Eingangsbereich bedurfte gefühlter hundert Telefonate mit Behörden und den Knechten der Vermietungsgesellschaft. Auch die nach ISO Norm 14644-1 geforderte tägliche Partikelmessung war anfänglich etwas ungewohnt und zeitaufwendig. Inzwischen ging dies alles aber deutlich leichter und schneller von der Hand.

Mit einer gewissen Verwunderung mussten Max und Mausi allerdings feststellen, dass Besuche von Freunden und Familien seit dem Umbau immer seltener wurden. Offenbar begriff nicht jeder Gast sofort die Notwendigkeit, sich kleineren Dekontaminationsprozeduren beim Betreten der Wohnung auszusetzen. Dieses oftmals demonstrativ vorgetragene Unverständnis konnte nur wechselseitig erneut Unverständnis bei Max und Mausi auslösen, schickten Sie doch jedem Besucher bereits mit der Einladung umfangreiches Hintergrundmaterial und Verhaltensregeln mit, hübsch gebunden als kleines Büchlein. Im Hinblick auf den Zugang zur Wohnung stand hier etwa eindeutig geschrieben:

Der Reinraumzugang erfolgt meist über eine Folge verschiedener Reinraumbereiche mit fallender Reinraumklasse. Zwischen diesen Bereichen erfolgt in der Regel ein Kleidungswechsel. Um Verschmutzungen von Gegenständen, die mit dem Fußboden in Berührung kommen (z. B. Schuhsohlen), zu minimieren, befinden sich an den jeweiligen Zugängen spezielle klebrige Fußmatten. Der Zugang zum Reinraum selbst erfolgt zusätzlich über Personal- und Materialschleusen, in denen wiederum starke Luftströmungen und Filtersysteme vorhandene Partikel aufwirbeln und absaugen, so dass keine zusätzliche Verunreinigung von außerhalb eingetragen wird.

Auf diese Beschreibung folgte dann ein genauer Sequenzplan, der zeigte, wie der ehemalige Wohnungsflur durch Schleusen in eine Abfolge von Reinräumen verschiedener Kategorien aufgeteilt war. Die jeweiligen Verhaltensregeln samt passender Kleiderordnungen rundeten diese Information ab. So schwer konnte das doch gar nicht sein!

Dennoch: Hinter vorgehaltener Hand erzählte man sich draußen in der verschmutzen Welt mit all ihren bakterienverseuchten Wohnzimmern der ehemaligen „Freunde“ von einer gewissen Lächerlichkeit besonders im Hinblick auf die kleinen weißen Häubchen, die Max und Mausi nun stets auf dem Kopf trugen, wenn sie abends fernsahen und dabei ihre geliebte keimfreie Sojakeimsuppe löffelten. Max war nicht dumm, er war vielmehr sehr empathisch für Spott jeder Art. In Telefonaten mit seinen Freunden – für Treffen in der dreckigen Wirklichkeit blieb kaum mehr Zeit, die Wartung des Reinraums fraß fast alle Ressourcen des glücklichen Paares – erklärte der gelernte Metzer gerne und oft, wie harmonisch nun die Beziehung mit Mausi liefe, seit das permanente Gejammere verstummt sei, welches früher in der Prä-Reinraum-Phase jeder entdeckte Brotkrümel auf dem Teppich und jedes noch so kleine Schamhaar in der Suppe provoziert hatten. Weiter führte er dann gerne aus:

Es ist so ruhig und harmonisch geworden, oft hört man nur das leise Summen der Generatoren der Eingangsschleusen. Mausi ist so glücklich jetzt; keine Krümel, kein Dreck, nichts mehr. Wir haben es geschafft, wir leben den Traum. Das Böse und der Dreck, diese hässlichen Biester, die bleiben draußen.

In die Stille sagte er dann noch, einfach um zu zeigen, dass SIE ihn nicht völlig untergekriegt hat, dass er immer noch genauso zotig wie früher sein kann, auch am desinfizierten Telefon seines Reinstraumes im Rheinraum:

Ich meine, Hauptsache ist doch, der Sex bleibt dreckig. Eh klar, oder!

Und damit hatte Max noch immer die Lacher auf seiner Seite gehabt, früher, in den dreckigen Kneipen seiner Stadt. Heute ist da nur noch ein Klack in der Leitung. Meister Proper ist auf einmal sehr allein.

Von Endspieltrinkern, Beraterbeendern und Personalentscheidern

by fremdtrinker

Der schmale Grat, auf dem wir wandeln.Die Schmalheit des Grates, auf dem sich der globalisierte Arbeitnehmer neuerdings bewegt, wird erst so richtig beim bewussten Blick in die Abgründe dieser Krete sichtbar. Aus Gründen des seelischen Selbstschutzes vernebelt der heutige Mensch mit geeigneter Medikation beziehungsweise ungeeigneter Hilfsmittel aber eben diesen Blick und damit auch die eigenen Sinne – Stichwort Endspieltrinker.

Die schützende Unschärfe des Visuellen wird aber manchmal durch überraschenden akustischen Input in Sekundenbruchteilen auf maximale Detailschärfe der Sehkraft geschaltet. Eine solche klangliche Eingabe kann etwa ein Satz wie der folgende sein: Sie bewegen sich alle auf einem sehr schmalen Grat. Geäußert von Personalentscheider Dr. Ohnegrund zu vier Arbeitskollegen des Autors. Dies geschah in der betriebseigenen Kantine der deutschen Niederlassung des komplett global aufgestellten Technologiekonzerns Oiweiah.

Solche Sätze von der Durchschlagskraft eines „Hasta la Vista, Baby“-Ausspruches kommen freilich nicht als Überraschungsbreitseite zum Zwecke einer verspäteten Sättigungsbeilage nach dem Kantinen-Menü Nummer 1 (Phantasie Lachs auf Reisraute). Nein, natürlich gibt es eine Vorgeschichte. Diese ist so langweilig wie schnell erzählt: Der mittelmäßige Technologiekonzern Oiweiah kauft den technologisch überlegenen, finanziell aber prekären, ebenfalls globalisierten Konkurrenz-Technologiekonzern Notechmoreno. Trotz exzellenter Beratung durch die Beraterfirma Brainexit and Company musste Oiweiah nach dem Kauf überraschend feststellen, dass man nicht nur Produkte und Kundenbeziehungen erworben hatte, sondern dass auch neue Kollegen mit eingekauft wurden. Der Ausspruch „Wir wollten IP-Telefonie und bekamen Programmierer“ machte die Runde in den Vorstandsetagen von Oiweiah. Zu allem Überdruss hatten diese neuen Kollegen nun zum Teil sehr gute, da sehr alte Verträge, welche nach dem Schlucken von Notechmoreno auch in der neuen Welt von Oiweiah Bestand hatten. Mist. Der globale Direktor zuständig für Personal bei Oiweiah, ein US-Amerikaner namens Jack T Man, ist wohl Urheber der globalisierten Beschimpfungsphrase Fucking German Arbeitsrächt. Dr. Ohnegrund als ausführende Gewalt von Jack T Man auf deutschem Boden versucht nun alles, um sich am Recht eben dieses Landes zu rächen. Was die Gesetze nicht hergeben, dies wird versucht, durch psychologisch gut geschulte Kommunikation wettzumachen. Und hier mündet nun also die absolut langweilige Vorgeschichte im Hier und Jetzt.

Dr. Ohnegrund begrüßt die ihm vorher noch völlig unbekannten „neuen“ Kollegen mit den Worten Na, Sie sind ja die Integrationsverweigerer von Notechmoreno. Sie bewegen sich alle auf einem sehr schmalen Grat. Pokern Sie nicht zu lange, Sie könnten herunterfallen. Einen schönen Tag noch.

Das erste assoziative Bild war freilich Boris Becker mit seiner Pokerrunde auf einer Krete mitten in den schweizerischen Bergen. Ein schönes Bild. Wer nicht gut genug blufft, stürzt in den Abgrund, noch bevor er sein Blatt auf den Tisch legen muss. Der nächste assoziative Hopser ging dann freilich zum Terminus Abgrund in einer übertragenen Lesart: der Abgrund des Krieges. Eine Punktlandung ohne Strich und Komma. Der Schmale Grat, im Original The Thin Red Line. Manchmal vergisst man ja beim Mittagessen zwischen Hauptgang und Betriebsschnaps, dass man sich in einem Krieg befindet, in welchem sämtliche roten Linien schon überschritten wurden. Man ist Kombattant in einem globalisierten Wirtschaftskrieg, einem 1000-Billarden-Renminbi-Stahlgewitter.  Der schmale Grat wird übrigens auch als DVD im Paket mit anderen Kriegsfilmen angeboten. Einer davon heißt Behind Enemy Lines. Dr. Ohnegrund hat recht, die Grate werden immer schmäler.

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Notechmoreno
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