fremdtrinken

Wenn fremdschämen nicht mehr reicht …

Kategorie: Fremdenlasser

Der Tag des Zorns

by fremdtrinker

Mist, eben einmal wieder den Tag des Zorns verpasst! Nein, damit ist nicht die Zeit gemeint, in denen die Mario Brothers des Atomzeitalters das Leck im AKW Fukushima zu stopfen versuchten. Ebenso wenig der Tag, als im Kelsterbacher Kebab-Haus die rote Soße zur Neige ging.

Nein, verpasst habe ich lediglich die Eröffnung des Media Markts in Kleinsommerhausen. Und damit den Aufruhr, als Mutti sich mit den Nachbarn um Schnäppchen balgte, als wäre die Zivilgesellschaft ein Konzept, das erst noch erfunden werden sollte. iPads wurden dicht am Körper getragen und mit dem Leben verteidigt. Keine Mehrwertssteuer! Vati bekam von Fred eine Parabolantenne ins linke Auge gerammt, womit sich Fred eine strategisch ausgezeichnete Position sicherte zum Endkampf um die letzten Blu-ray Angebote. Hans war schon lange Matsch, hatte er doch Chuzpe im Übermaß bewiesen, als er sein frisch erkämpftes iphone 4 (das letzte im Stapel!) triumphierend der wütenden Menge der Schnäppchen-Versager entgegen gehalten hatte. Er war doch blöd!

Bilanz des Tages: zehn halbtote und zweihundert leichtverletzte Schnäppchenjäger in Kleinsommerhausen. Wenn der Aufruhr kommt, und die Erde bebt, und sich aus der Nacht ein neuer Media Markt erhebt. Wenn der Aufruhr kommt … Vergessen wir London und Post-Punk von Abwärts, wenn es um Schnäppchen geht, wird der Mensch zum Tier, auch in Kleinsommerhausen. Consumo, ergo bumm – wie der Sponti schon immer wusste!

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Befindlichkeitsbäuerchen

by fremdtrinker

„Natürlich ist das psychosomatisch. Willst Du das Gutachten vom Arzt sehen, oder was? Da steht ganz klar drin: Patient eruktiert hochfrequent aufgrund psychischer Überlastung bei der Aufnahme rechten Gedankenguts. Ich kann da nichts dafür, das ist die Gesellschaft, die muss sich ändern, dann muss ich auch nicht mehr bölken. “

NS RülpserFranz war außer sich, das machte schon die leicht übertriebene Lautstärke seiner letzten Äußerung klar. Die Leute an den Nebentischen schauten auch schon etwas verstohlen herüber. Egal, dachte ich mir, wer seine Abende in einem Lokal wie der Bierblume zum freien Willen verbrachte, der durfte doch eigentlich überhaupt keine Ansprüche an irgendetwas mehr haben, oder? Wie auch immer, Franz war offenbar doch etwas verärgert mit mir. Wie konnte ich es nur wagen, seinen Zustand nicht als eine wirklich ernst zu nehmende Krankheit anzuerkennen. Bölken, dachte ich mir dann, mein Gott, Franz ist wirklich ein Nordlicht, den Ausdruck hatte ich ja noch nie gehört. Klingt irgendwie nach einem Bauernhof in der Lüneburger Heide. Doch dann riss mich mein guter Freund mit einem lauten Heil! aus meinen Gedanken, welches von einem leiseren, gezischten, etwas kleinlaut klingenden Sieg gefolgt wurde.

„Alles okay“, fragte ich?

„Nein, nichts ist okay. Gar nichts. Kannst du dir eigentlich vorstellen, wie peinlich das in der Öffentlichkeit ist, wenn du permanent diese Nazi-Slogans rülpsen musst?“ Und nein, um deine Frage gleich vorweg zunehmen, mit dem Tourette-Syndrom hat das auch nichts zu tun. Bei mir ist ja ganz klar festgestellt worden, was diese körperlichen Reaktionen auslöst: schwarz-braunes Gedankengut, je brauner, desto schlimmer. Mein Arzt nennt das Ganze den NS-Rülpser“.

„Na gut, dann halte dich doch einfach nur von diesen Dingen fern, so von der CSU und so. Problem erkannt, Problem gebannt. Und weg ist der Adlerhorst, ich mein …“. Weiter kam ich jedoch nicht, denn CSU und Adlerhorst in einem Satz, das war zu viel für Franz. Ein phänomenaler NS-Rülps-Anfall brach sich Bahn.

„Heil, zisch zisch … Sieg … HEIL, zisch zisch … Sieg! GAUWEILER! HEIL!“

Ich versuchte so unbeteiligt und so tolerant zu schauen, wie nur eben möglich. Dennoch verstand ich langsam, dass Franzens Freunde in letzter Zeit immer öfter vorgaben, angeblich beruflich so eingespannt und damit knapp an freier Zeit zu sein, wann immer Franz sie auf ein Bierchen in seiner Eckkneipe treffen wollte. Nichts jedoch übertraf die Art und Weise, wie sich seine Freundin Astrid vor etwa einem Monat von ihm getrennt hatte. Gut, da lag wohl vorher schon einiges im Argen. Aber dass sie den armen Franz in seinem eigenen Schlafzimmer einsperrte, bevor sie den Rest der gemeinsamen Wohnung ausräumte, das war schon ziemlich gemein. Richtig fies wurde es aber, als sie, bevor sie ging, noch im Wohnzimmer die Stereoanlage auf volle Lautstärke stellte. Im CD-Spieler befand sich das Audio-Book von Deutschland schafft sich ab. Im Bericht des Notarztes, den besorgte Hausbewohner gerufen hatten, wurde von einem völlig erschöpften, schwach und leise vor sich hin rülpsenden Mittdreißiger berichtet, der kaum mehr ansprechbar war. In seinen Händen hielt er völlig verkrampft das Buch Das Herz schlägt links von Oscar Lafontaine. Instinktiv hatte Franz zum einzig passenden Gegengift gegriffen. Nur der Oscar konnte es noch richten. Wie viele versteckt und offen lebende NS-Rülps-Geschädigte es wohl in unserer Gesellschaft gibt? Hat man damals Eva Herman vielleicht sogar Unrecht getan, war auch sie ein Opfer?

Offenbar kann Franz nun auch schon Gedanken lesen, der nächste Anfall kam sofort:

„Heil, zisch zisch … Mutterkreuz … HEIL, zisch … Sieg! DEUTSCHE MUTTER!“

Wohnkloner

by fremdtrinker

In Zeiten völliger Erschöpfung sollte man die Hoffnung nicht verlieren. So heißt es in einem der stets so nett klingenden Lieder der Gruppe Virginia Jetzt. Die Antwort freilich, wie dies denn in einer immer lauter werdenden Welt zu bewerkstelligen sei, die bleiben die Sängerknaben schuldig. Ist ja auch keine einfache Frage, eher eine, die zu heiklen Antworten wie aktiv vorangetriebenem Burnout-Syndrom oder passiv induzierten Alkoholismus führen kann. Alles schon da gewesen.

Das Paradies, ganz in der Nähe.Karl-Hugo hatte für sich selbst eine bessere Lösung gefunden. Einen solch eleganten Ausweg, welchem fast schon die Auflösung des ewig göttlichen Dilemmas innewohnte, welches der Allmächtige dem Menschen auferlegt hatte: der eigentlich nicht mögliche Ausgleich zwischen dem Drang zum egoistischen Handeln auf der eine Seite – ein Drang, der, wenn diesem ungebremst nachgegeben würde, in der kompletten Vereinzelung des modernen Menschen enden würde, – sowie dem Verlangen des Menschen nach Gesellschaft, Geselligkeit und zwischenmenschlichem Austausch auf der anderen Seite.

Für Karl-Hugo war die Auflösung dieses Dilemmas ein simpler Akt des Konsums, wieder einmal. Dazu aber später mehr. Zuerst lassen wir uns in den eigenen Worten Karl-Hugos dessen Weltbild erläutern, denn ohne dieses Verständnis wäre der geniale Kunstgriff unserer Protagonisten gar nicht verständlich. Für Karl-Hugo ist die Welt ein Schneckenhaus. Seine Interaktionen mit der Welt, also die Kontakte mit anderen Menschen, unterscheiden sich extrem in Charakter, Ausprägung und Intensität, und dies abhängig von der jeweiligen Position in seinem Schneckenhaus. Ein Beispiel: Um erfolgreich im Beruf zu interagieren, muss sich Karl-Hugo sehr weit durch die Spirale des Hauses nach außen kämpfen, er sitzt dann in einer der äußeren Windungen. Eine solche Position, weit entfernt vom sicheren und ruhigen Zentrum des Schneckenhauses, in welchem das Individuum „bei sich“ ist, eine solche Position, wie gesagt, ist freilich dem Lärm der Welt, dem „Anderen“ extrem ausgesetzt. Die Theorie des Schneckenhauses besagt nun, dass ein zufriedener Mensch ein ausgeglichenes zeitliches Verhältnis im Hinblick auf seine unterschiedlichen Aufenthaltsphasen in den verschiedenen Sphären seines Schneckenhauses haben sollte. Ferner setzt die Theorie einen besondern Fokus auf den wichtigsten Teil des Schneckenhauses, auf das Zentrum. Nur wenn dieser Kern ausreichend geschützt vom oben erwähnten „Anderen“ ist, dann verfügt der Mensch über seine lebensnotwendige Rückzugsposition.

Bei Karl-Hugo stellten die eigenen vier Wände lange Zeit das intakte Zentrum des Schneckenhauses dar. Dann jedoch kam Elke und, zwei Jahre später, der erste Sohn, Hügo. Lärm und Hektik zogen in das Zentrum des Schneckenhauses ein, viel Lärm und noch mehr Hektik. Wie viele Zeitgenossen zuvor stand Karl-Hugo irgendwann vor dem geistigen und körperlichen Zusammenbruch. Die Wende kam, wie oben bereits erwähnt, durch einen Akt des Konsums. Karl-Hugo investierte, und zwar gewaltig. Er erschuf sich ein neues Zentrum seiner Welt, einen neuen Kern seines Schneckenhauses. Sein guter Freund Kalli brachte ihn eines Abends beim Bier auf die alles entscheidende Idee:

Mache es doch wie Ernst, der hat sich das neue iKlo 3000 besorgt. Dann noch einige Apps dazu, und dann hatte er wieder seine Ruhe. Mache es wie Ernst!

Und er machte es wie Ernst! Die Handwerker rückten bereits eine Woche später in die gemeinsame Wohnung von Karl-Hugo und seiner Familie an. Der Umbau des Gästeklos in ein modernes iKlo 3000 dauerte eine knappe Woche. Die Installation der wichtigen Apps dann nochmals ein paar Tage, dann war alles fertig: Das iKlo 3000 bestand zwar wie das alte Gästeklo auch nur aus zwei Quadratmetern, doch die hatten es in sich. Karl-Hugo hatte sich alles einbauen lassen, was der Markt momentan hergibt. Das Gästeklo kann sich auf Knopfdruck in eine komplette Dusche verwandeln lassen, hatte Solariumsfunktion serienmäßig, der Kühlschrank war von Werk aus randvoll mit Becks und Jever gefüllt, die Multi-touch-Klobrille hatte die neuste Pobackensteuerung Arschtouch mit allen Bugfixes, von schüchternen japanischen Frauen hatten sich die Hersteller in Pissability-Studien bei Auswahl der akustischen Untermalung beraten lassen – Karl-Hugo hatte sich für den Sound Walgesang am Ende der Welt mit Brandung entschieden … sprich, es war alles perfekt. Karl-Hugo ruhte in sich, sobald die automatische Türverriegelung seines iKlos von innen aktiviert wurde. Gästeklo goes Kloster, scherzte er manchmal ungefragt mit Kollegen.

Auch früher schon hatte Karl-Hugo oft beim Bier fallenlassen, so richtig glücklich sei er ja eh nur auf dem Gästeklo. Schon damals wusste er instinktiv, wo denn eigentlich das Zentrum seines Schneckenhauses lag. Nun weiß er dies ganz sicher und hat die richtigen Konsequenzen gezogen. Sein Mittelpunkt der Welt, jetzt moderner und schöner als je zuvor. iKlo 3000, 100% schallisoliert.

Hoher Streckauslaster

by fremdtrinker

Die blanke Wut und zwei präzise Hiebe mit einem Teleskopabwehrstock respektive Abdrängstock beendeten das Leben des Zugbegleiters Arnulf Wegsam. Der Angreifer, ein gewisser Helmut Hartleib, hatte den Schlagstock, der auch die „kleine Machete des Mitteleuropäers“ genannt wird, beim Internet-Händler Amazon in der Rubrik Sport und Freizeit erworben.

Was hatte Hartleib nun dazu getrieben, ihn, diesen ängstlichen und zurückhaltenden Angestellten einer mittelgroßen Erdbeerenzuchtanstalt, mitten im montäglichen Berufsverkehr den Zugbegleiter Wegsam mit einer Abwehrwaffe anzugreifen und zu erschlagen?

Schlichte Gemüter schieben die unvorstellbare Bluttat auf den ärztlich attestierten „allgemeinen Erschöpfungszustand“ von Wegsam. Andere führen die gescheiterte Ehe, die festgefahrene Karriere, den ungesunden Lebensstil sowie den plötzlichen Tod des geliebten Goldfisches Pauly als Erklärungsmuster ins Felde.

Die Schlauen freilich wissen, dass einzig und allein die Deutsche Bahn (DB) Schuld trägt. Aha, wegen der permanenten Verzögerungen im Regionalverkehr, wegen überfüllter Schienenbusse und eisiger Totalausfälle? In gewisser Weise, nur ist dies nur die halbe Wahrheit. Denn alle diese Missstände konnte Hartleib ertragen. Auch die permanenten Verspätungsdurchsagen konnte der Erdbeerzüchter noch hinnehmen. Solche, die aufgrund eingefrorener oder geschmolzener Weichen, brennender Triebwägen oder ebensolcher Triebtäter und Jehova-Treuen Attentätern sogenannte „Verzögerungen im Fahrplanablauf“ im Minutentakt für die Dauer von Stunden ankündigten. All dies brachte sein Gehirn noch nicht zur Explosion.

Dann passierte allerdings eine Veränderung bei der Deutschen Bahn. Beraten durch hausinterne DB Consultants, modifizierte die Bahn ihre Durchsagenpolitik. Aus dem bunten Sammelsurium von unterhaltsamen und spannenden Vorkommnissen, welche den Fahrgästen in den sauerstoffarmen Waggonbiotopen als Gründe für stundenlange Verspätungen präsentiert wurden, entstand durch linguistische Dauerberatung eine einzige verbale Formel, mit derer die Bahn nun im Ernstfalle der Verspätung mit ihren Endkunden kommuniziert. Im Nachhinein stellte sich aber heraus, dass den DB Consultants eine schreckliche neue Formel geglückt war: die tödliche Durchsage. Alle störenden verbalen Details, jeglicher Sinn wurde entfernt, um die Kunden nicht zu überlasten (so die offizielle Begründung!). Die Weltenformel der Bahndurchsage hieß nun: Aufgrund hoher Streckenauslastung kommt es zu Verzögerungen im Betriebsablauf. Punkt. Keine Erklärung. So knapp, so präzise, so tödlich.

Aus dem psychiatrischen Gutachten des Totschlägers Hartleib ist nun zu erkennen, dass dieser das perverse Paradox dieser Verspätungsdurchsage schlicht und einfach nicht auflösen konnte. Das Gehirn von Hartleib ist in eine rekursive Abwärtsschleife ohne Abbruchbedingung geraten. Laut Zeugen stammelte der Goldfischfreund kurz vor der tödlichen Attacke auf den Zugbegleiter permanent die Worte … euch gehören die Züge, euch gehören die Gleise … ihr Schweine … wie kann die Streckenauslastung dann immer zu hoch sein … immer immer immer … wo ist eure Planung, wo ist eure verdammte Planung.

Dann schlug Hartleib mit alttestamentarischem Hass zu, immer und immer wieder. Der Regionalverkehr hatte seinen Sinn verloren und damit auch gleich seine Unschuld. Bye, bye Brio.

Reinschauen oder der Blick von oben

by fremdtrinker

Gott blickt auf die Welt, und sie ist nicht schön. Es gäbe so viele Dinge zu optimieren. So viele Stellschrauben, an denen der Herrscher über alle Dinge drehen könnte. Auch treiben sich offenbar einige auf dieser Welt Gottes herum, die offenbar gar nichts tun, außer, den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen. Kurzum, Gottes Betrieb läuft nicht perfekt. Gott-sein kann so etwas von nerven an solchen Tagen! Wenn Gott nicht nur so gütig wäre …

In diese Stimmung  platzte nun ein himmlischer Anruf über den neuen SkyTel-Anschluss.

Für einen kurzen Moment wünschte Gott die neue himmlische Kommunikationssuite 2.0 zur teuflischen Konkurrenz, setzte sich dann aber doch das Headset auf.
– Gott hier, hallo.
– Ja, Gott zum Gruße. Hier Eder von der Unternehmensberatung BrainExit and Company. Wir hätten da ein Angebot für Sie, es nennt sich „Der Blick von oben“.
– Das soll wohl ein Witz sein, ich bin der Chef von dem Laden hier, aller Anfang und auch gleich das Ende. Wo ich bin, da ist oben …
– Natürlich! Entschuldigen Sie, wenn ich dennoch unterbreche. Diese Reaktion haben wir öfters. Lassen Sie mich nur kurz fragen, haben Sie als Chef denn jemals einen aktuellen Utilisation- Report über Ihre Mitarbeiter, äh, Ihre Schöpfung erstellen lassen? Sprich, welche Geschöpfe unter Gottes Himmel entfalten denn nicht so ganz Ihr Potential …
– Hm, na ja. Nicht so global, nicht so Alpha-Omega-mäßig, wenn Sie meinen was ich weiß, äh, wissen was ich meine.
– Ihr Business Benefit bei der ganzen Geschichte wäre ein Überblick, welche Ihrer Geschöpfe im Hinblick auf die langfristige Berechnung des Business Success unter Einbeziehung des Totalerfolges aus wirtschaftlicher Sicht überhaupt noch zu halten sind. Samt Abwicklung der anderen.
– Hä?
– Kurz gesagt: Wer sind die Evolutionsverlierer, sie wissen schon, so wie damals die Dinosaurier …
– … ja ja, die hat ja der Kollege Teufel geholt!
– Richtig. Wir von BrainExit and Company würden Sie gerne bei dieser neuen Runde im Evolutionspoker unterstützen. Sie wissen schon, Survival of the Fittest und so. Es darf wieder ausselektiert werden.
– Aber dann gibt es bestimmt wieder Ärger, moralischen. Wenn ich nur daran denke, was mit der Dreifaltigkeit los war, damals, als ich als Weltengeneralunternehmer mal einfach so die Dinosaurier habe untergehen lassen. Der heilige Geist ist im Dreieck gesprungen. Dreifaltig.
– Klare Antwort von mir: Das wäre Ihnen damals mit BrainExit and Company nicht passiert. Dies aus folgendem Grund: Sobald Sie uns beauftragen, treten Sie ja aus der Verantwortung. Wir haben dann den allsehenden Blick von oben – Sie entschuldigen diese Allegorie. Welche Änderungen im Weltenlauf wir dann auch immer als notwendig sehen und durchführen, Sie als Gott sind fein heraus. Stellen Sie sich vor, die Evolutionsverlierer werden vom Erdball getilgt, ein großes Wehklagen setzt ein und alle fragen: Gott, warum hast du nichts getan? Und Sie können dann einfach nur bei einem guten Manna erwidern: Meine Kinder, ich bin bei Euch als sorgsamer Vater und Generalunternehmer. Aber gegen den unabhängigen Blick von oben und gegen die auf exakten Zahlen basierenden Entscheidungen von BrainExit and Company bin auch ich machtlos. Der Golem ist nun einfach in die Welt gekommen!
– Mein Gott – falls ich hier mal autoreferentiell sein darf -, das ist so durchdacht, so perfekt und perfide hergeleitet, da muss doch der Teufel die Finger im Spiel haben …

Und Gott hatte begriffen. Herr Eder zerfiel zu Staub.

Beraterbeenden 2.0

by fremdtrinker

Nun ist es also doch wieder passiert. Das limbische System tanzt Salsa nach einem Metronom am Anschlag, doch das Über-Ich verteilt strafende Peitschenhiebe. Nein, den Tod eines Menschen, noch dazu einen gewaltsamen Tod, den kann und darf man nicht gut finden. Selbst wenn es sich beim toten Menschen um einen „Berater für strategische Unternehmensführung“, neudeutsch einen „Principal Stategic Management Consultant“, handeln sollte.

Trotz dieser moralischen Anfechtungen stellte sich zumindest das Gefühl einer entspannten Zufriedenheit gepaart mit einer latenten „Recht so!“-Aufwallung im Kopfe und im Bauche ein. Dies alles ist geschehen beim gestrigen Blut-und-Tränen-Klassiker Tatort im Ersten Deutschen Fernsehen (Unter Druck).

Die Minuten danach: Erschrockene, biergetränkte Introspektion frei nach Novalis, auf dass der geheimnisvolle Weg nach innen gehen solle, brachte eine erschreckende Einsicht zutage – nein, halt, noch keine Einsicht, eher eine Sequenz aus beunruhigenden Fragen: Wann fliegen im wirklichen Leben die ersten Berater, Personalentscheider und Manager aus den Fenstern? War die Drohung der französischen Belegschaft einer Notechmoreno­-Fabrik, ebendiese nach Bekanntwerden der verschleppten Insolvenz des Notechmoreno-Konzerns mit Propangasflaschen in die Luft zu sprengen, ja war diese Drohung eine einmalige Angelegenheit oder nur ein Vorspiel zu dem, was uns im kommenden Aufstand erwarten wird? Und wer gewinnt noch mal, wenn fast alle verlieren?

Vereinfacht könnte man auch fragen: Wann ist genug eigentlich genug? Wenn es nur nach den real existierenden und noch lebenden Kollegen des ermordeten Management Consultants aus dem Tatort ginge, dann wäre genug erst die erste Stufe von mehr (dann gefolgt von noch mehr). Mehr Folgeaufträgen für die Beratungsfirmen, mehr „Pro-Kopf-Auslastung“ der Angestellten der globalen Unternehmen und einfach nur mehr von allem für immer weniger.

Nun gilt die Binsenweisheit, dass Menschen zu allem fähig sind, wenn sie nur stark genug unter Druck gesetzt oder in die Enge getrieben werden. Und dies freilich nicht nur in der konstruierten Wirklichkeit von organisierter Sonntagabendunterhaltung. Noch bleiben im wirklichen Leben die Propangasflaschen im Keller bei der Camping-Ausrüstung. Noch fallen die Berater lediglich unangenehm auf aber nicht aus diversen Fenstern. Aber schon wieder stimmt das limbische System südamerikanische Rhythmen an beim Gedanken, was denn den smarten Spezialisten zur Firmenabwicklung alles hätte passieren können, damals, als unter Aufgabe sämtlicher Anstandsregeln und sozialer Kriterien „schwarze Listen“ von überflüssigen Mitarbeitern erstellt wurden und diese intern als „Wasserköpfe“ bezeichnet wurden … Hey, Über-Ich, das darf doch wohl mal gesagt werden, oder!

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