fremdtrinken

Wenn fremdschämen nicht mehr reicht …

Tag: Guttenberg

Fremdgeschrieben

by fremdtrinker

Besser hätten wir es hier auch nicht machen können, also lassen wir es gleich ganz sein. Verwiesen sei lediglich auf eine alte Kollegin: Frau Burmester wurde mit Ihrem offenen Brief an Doktor außer Dienst von und zu Guttenberg zum Fremdtrinker der Herzen erhoben! Herzlichen Glückwunsch zur gesunden Hybris!

Advertisements

Der lange Stil der fremden Federn

by fremdtrinker

Der Mensch giert nach Anerkennung, jeder Mensch. Er trainiert Geist und Körper, möchte stets etwas größer, witziger, souveräner, stärker oder klüger erscheinen, als er in Wirklichkeit ist. Der ehemalige Dr. jur. Karl-Theodor zu Guttenberg gab das jüngste traurige Beispiel, wohin dieser falsche Ehrgeiz führen kann, nämlich unverzüglich ins Plagiat. Alles wird heute kopiert, mal wörtlich, mal sinngemäß. Immer seltener werden hierbei die geistigen Urheber genannt, immer öfters schmück der Mensch sich mit den geistigen Ergüssen anderer. Dies endet bei kompletten Doktorarbeiten, die lediglich aus Fragmenten fremder Texte bestehen, quasi in der Champions League der Plagiate. Aber auch in den Kreisligen der Internet-Publikationen ist Vergleichbares zu beobachten, hier nur ein Beispiel von vielen:

Ein gewisser Wolfgang Spinnler hat im deutschen Online-Shop von Amazon an die 80 CD-Rezensionen verfasst, die meisten davon über Meisterwerke des Pops der 80’er Jahre. Hier ein Auszug aus seiner Besprechung der Platte Rum, Sodomy And The Lash der Gruppe The Pogues:

Auch ausgebombte Punks sind irgendwann auf der Suche nach bleibenden Werten. […] Mit Sänger Shane MacGowan der kaum noch Zähne hatte produzierten die POGUES unter der Regie von Elvis Costello einem der besten Songwriter Brita[n]niens eine Scheibe die schepperte wie die Sammelbüchse am Totensonntag. Bei den sentimentalen Songs der Pogues hatten sich schon die Großväter der Bandmitglieder in den Armen gelegen. Und warum sollten es ihre Enkel anders machen?

Schön schnoddrig und gemäß den Stilvorgaben der frühen Pop-Literatur geschrieben, nicht wahr? Leider ist diese Rezension jedoch in Auszügen wörtlich und ansonsten sinngemäß ohne Quellenangabe übernommen – vulgo geklaut – worden. Immerhin bewies der Wortdieb Geschmack, er kopierte aus der Lifestyle-Zeitschrift Tempo, genauer gesagt aus einer Ausgabe vom Dezember 1989 mit dem Titel Die besten Platten, Filme & Bücher der 80er Jahre. Dort steht zur selben Platte geschrieben:

Ausgebombte Punks auf der Suche nach bleibenden Werten. Der Sänger hatte kaum noch Zähne, und die Platte scheppert wie eine Sammelbüchse am Totensonntag. Zu den sentimentalen Melodien der Iren hatten sich schon ihre Großväter in den Armen gelegen. Warum sollten es die Enkel anders machen?

Noch ein Beispiel von weiteren 79? Herr Spinnler über eine Platte der Gruppe Soft Cell:

Lustvoll stöhnend beichtete er [Marc Almond] bei „Sex dwarf“ sein Leben als Sex-Zwerg. Und „Tainted love“ war als Northern-Soul-Hymne so sauber eingespielt, daß sie bis heute nach 22 Jahren genauso frisch klingt wie 1981. Und wer sich noch an die Videos der beiden erinnern kann, sofern er sie gesehen hat wird noch heute feststellen, daß diese jeden Beate-Uhse-Film zur jugendfreien Familienunterhaltung degradieren.

Im Original:

Lustvoll stöhnend beichtet Marc Almond sein Leben als Sexzwerg. Ihre Videoclips degradieren noch heute jeden Beate-Uhse-Film zur jugendfreien Familienunterhaltung.

Und so weiter, und so weiter. Man beachte: Da hat sich jemand tatsächlich die Mühe gemacht, an die 80 Plattenkritiken aus einer Zeitschrift umzuschreiben, dabei offensichtlich größten Wert darauf gelegt, niemals exakt wörtlich zu zitieren aber die ihm als „cool“ erscheinenden Phrasen auf alle Fälle zu übernehmen. Warum schreibt jemand, dem keine eigenen Worte in den Sinn kommen, so viele Texte. Kann das wirklich nur die Sucht nach Anerkennung sein, oder ist das schon krankhaft?

Übrigens: Sämtliche Bilder dieses Blogs sind geklaut.

Die Dissertation mit dem Paukenschlag

by fremdtrinker

Ein Abgrund aus böser Polemik und beißendem Spott tut sich seit Tage auf vor dem einst so geliebten und erfolgreichen CSU Politiker Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg. Selbst seine Frau solle sich angeblich mit Scheidungsabsichten tragen, da das Ja-Wort Guttenbergs vor dem Traualtar angeblich bereits von anderen Bräutigamen in ähnlicher Situation auf fast dieselbe Weise vorgetragen wurde. Da war er schon wieder, der bösartige Plagiatsvorwurf.

Was diese Neider jedoch allesamt nicht erkennen können oder wollen, ist die brillante und für die damalige Zeit völlig neue wissenschaftliche Denkweise, mit welcher der heutige Verteidigungsminister seine Dissertation anging. Für Guttenberg ist und war in letzter Kosequenz das Erlangen wissenschaftlicher Erkenntnis nur in Form von virtueller Teamarbeit möglich. Dies erkannt und in radikaler Weise zu Ende gedacht sowie in die Tat umgesetzt zu haben, das ist der eigentliche akademische Quantensprung, für welchen eine summa cum laude eine mehr als verdiente Benotung sein sollte. Denn keiner hat vor Guttenberg in einem solchen Ausmaße andere Wissenschaftler so elegant, ja fast schon unbemerkt in die eigene Arbeit eingebunden. Dies geschah, und hier liegt der Hund begraben mitsamt dessen Kern, nicht etwa nur durch die althergebrachten und überkommenen Methoden des direkten und indirekten wissenschaftlichen Zitats, nein, vielmehr hat Guttenberg eine völlig neue Zitiermethode gefunden: das implizite akademische Zitat. In anderen Bereichen, wie etwa der Musik, hatten Kulturwissenschaftler zwar bereits dieses Phänomen aufgespürt und es mit dem etwas griffigeren Terminus Sample bezeichnet, für die akademische Welt aber war das Sampeln, wie das implizite Zitieren auch genannt wird, in der Zeit vor Guttenberg völlig unbekannt.

Guttenberg demonstrierte mit seiner Dissertation also zum ersten Mal, welche Kraft und Dynamik akademische Teamarbeit unter Zuhilfenahme der Sample­-Technik entfalten kann. In der Musik hatte man sich ja schon lange an den Gedanken gewöhnt, dass jede Melodie, jeder Dreiklang in beliebiger Kombination niemals den Anspruch von Originalität haben könne, da alles, was denkbar und spielbar ist, letztendlich schon einmal gedacht, komponiert und gespielt wurde. Die Musiker gehen somit mit „fremdem“ Gedankengut, welches ja nichts anderes ist als das Gedankengut eines „Weltwissens“, auf eine völlig spielerische und selbstverständliche Art und Weise um. Nichts läge ihnen ferner, als jedes Melodiechen, welches sie vielleicht schon irgendwann einmal gehört und verinnerlicht hatten und es nun für ein eigenes Stück völlig selbstverständlich verwenden wollten, nichts läge ihnen also ferner, als diese kleine unschuldige Abfolge von Tönen explizit als Zitat auszuweisen. Sie sehen diese Melodien eher als „LEGO-Bausteine“ des unendlichen Weltwissens, welche sie ohne die Spur eines schlechten Gewissens benutzen, um damit ihren ganz eigenen Anteil zur Erweiterung des globalen Fundus an Melodien zu leisten. Sie setzen Neues komplett aus Altem zusammen, dies geschieht in einer virtuellen Teamarbeit.  Das geistige Eigentum in der Musik ist längst ein globales geworden, welches in der Summer der Gehirne der Musikschaffenden zu Hause und gegen spießige Plagiatsvorwürfe völlig immun ist.

Guttenberg kann also zurecht als erster akademischer Künstler bezeichnet werden, der spielerisch die vorhandenen Melodiefragmente seiner Wissenschaftsdisziplin aufnimmt, mit ihnen jongliert wie ein juristischer Jahrmarktsartist, und diese letztendlich zur Symphonie seiner Dissertation zusammensetzt. Das virtuelle akademische Künstlerteam von Guttenberg hat darüber hinaus so gut funktioniert, dass viele Mitglieder des Teams gar nicht wussten, überhaupt in der Mannschaft zu sein. Dies zeugt nicht nur von überragender künstlerischer Qualität des Teamleaders, sondern eben auch von perfekter Führungsarbeit. Andere für sich arbeiten zu lassen, ohne dass diese die Belastung überhaupt merken, dass ist ganz große Kunst.

Guttenbergs Frau lässt sich übrigens nicht scheiden, hat sie doch erkannt, dass letztendlich auch ihr Mann, wie alle anderen ja auch, nichts anderes als ein implizites Zitat seiner selbst ist. Sie ließ verlauten, nach dieser Erkenntnis mache sogar das Sampeln wieder Spaß.

Götterflüsterer und Weingeister

by fremdtrinker

*** EILMELDUNG! Einer der freien Mitarbeiter dieses Blogs hat mitgeteilt, dass er bis auf weiteres auf das Tragen seines Doktortitels verzichten wird. Als Grund gab er die mittlerweile erwiesenen Vorwürfe an, er habe sich unzitierter Quellen sowie weiterer unerlaubter Hilfsmittel bedient. ***

Dörsheim an der Dörr.
Dr. Hain Falt, promovierter Islamist und freier Autor des Blogs fremdtrinken hat gestern Abend in einer bewegenden Aussprache mit der Presse schwere Fehler beim Erstellen seiner Dissertation mit dem Titel „Gott, der Wein und das Weib im Spiegel noch ungeschriebener Suren“ zugegeben. Wörtlich gab er von sich:

Ich gestehe. Meine Dissertation ist ungültig, ich war gedopt. Unter der Einnahme schwerer Alkoholika stellte ich einen direkten Kontakt zu Gott her. Mindestens 60% meiner Arbeit bestehen hiermit aus den himmlischen Einflüsterungen, ohne dass ich diese als Zitate kenntlich gemacht hätte. Der Rest der Arbeit entstand während der langen Kneipenabende dieser Zeit am Tresen mit Prof. Heinz Dieter D. Ich bedauere zutiefst, die Öffentlichkeit über Jahre hinweg getäuscht zu haben.

Ich habe daher beschlossen, für den Zeitraum von zwei Wochen auf ein Gottesurteil zu warten. In dieser Zeit werde ich den Doktortitel nicht führen oder benutzen. Sollte mich bis dahin nicht der kalte Blitz, vulgo der Zorn Gottes, getroffen haben, und der Doktor samt Titel damit pulverisiert worden sein, so werde ich meinen akademischen Grad spenden, und zwar an an die gemeinnützige Organisation „Bildung für benachteiligte einarmige Harz 4 Empfänger mit armenischen Wurzeln“ .

Ob sich Dr. v.a.D. (Doktor vorübergehend außer Dienst) Falt zu seinem überraschenden Geständnis durch die momentan hitzige Diskussion um den deutlich prominenteren Fall Dr. ebenfalls v.a.D. Freiherr von und zu Guttenberg gedrängt sah, ließ der noch promovierte Islamist offen. Unbestätigten Quellen zufolge merkte er aber wohl gestern spät abends in seiner Stammkneipe an, dass er Guttenberg für unschuldig hielt. Als Grund nannte er, dass Juristen wohl nie göttlichen Beistand bei Abschlussarbeiten bekämen, hierzu bedürfe es ja einer gewissen akademischen Satifsfaktionsfähigkeit. Und alles andere sei doch wohl eher ein Kavaliersdelikt.



%d Bloggern gefällt das: