Das Hochzeitszeitliche

by fremdtrinker

Zeit ist relativ, Hochzeit ist relativer. Zeitwahrnehmung in der Zeit vor Hochzeit, also in der Vorbereitungszeit, ist das Relativste überhaupt, was es zwischen Mann und Frau geben kann. Eher ist man sich über Geld, Sex und den Umgang mit Schwiegermüttern einig, als dass man sich auf einen Zeitplan für die Hochzeitsvorbereitung einigen könnte. So etwa auch bei Max und Mausi.

Mausi und Max wollen also heiraten. Genauer gesagt, Max fragte, und Mausi sagte (für einige Beobachter des Paares etwas überraschend)  ja. Damit war für Max diese Angelegenheit erst einmal wieder erledigt. Die geliebte Gattin in spe verwandelte sich aber ab diesem Tag schlagartig in die Spezies Frau, die Männer, besonders solche mit den Attributen verträumt, gemütlich und ein kleines bisschen faul, so fürchten: Planungs-Mausi übernahm die Szenerie.

Tag X minus ein Jahr. Es war ein kühler Septembermorgen, ein Sonntag. Max saß etwas übermüdet mit einer Tasse Kaffee vor seinem Computer, hatte einmal mehr die Angst vor der leeren Browser-Seite und träumte sich langsam in den Tag hinein. Da erschütterte ein Morgen Schatzi die Idylle. Ich habe mal eben schnell vor dem Zähneputzen die Aufgabenliste für die Hochzeitsvorbereitung zusammengestellt, mit „Deadlines“. Max musste sich kurz sammeln und sagte dann, nach einem kurzen Blick auf die Liste: Hm, wegen deiner Deadlines, so früh müssen wir doch gar nicht sterben, die Exekution ist doch erst in einem Jahr, oder so. Da ist doch noch eine Menge Zeit, jetzt gehen wir erst einmal wider ins Bett und dann werde ich dich …

Im Nachhinein konnte Max vor Zeugen nicht mehr genau benennen, mit Hilfe welcher zeitlichen Kompressionstechniken Mausi es schaffte, ihm innerhalb – so von Max grob geschätzt! – einer Sekunde ihre komplette Beziehung der letzen Jahre um die Ohren zu hauen, die verantwortungslose Haltung seiner Herkunftsfamilie bis ins fünfte Glied zu bemängeln, aufschlussreiche Vergleiche samt terminlicher Benchmarks der Hochzeitsvorbereitungen sämtlicher Freundinnen und Bekannter zu nennen sowie sämtliche Türen des gemeinsamen Hauses in einer solchen Weise zuzuschmeißen, auf dass der resultierende Knall fast kosmische Dimensionen erreichte.

Mit männlicher Diplomatie konnte Max die Situation nach einer gewissen Zeit entschärfen, er arbeitete von nun an seine Aufgaben für die Hochzeitsvorbereitung Schritt für Schritt, pünktlich und zuverlässig ab. Alles schien also in bester Ordnung, wir schreiben Tag X minus 8 Monate. Auf Mausis personalisierter Aufgabenliste stand die Auswahl eines geeigneten Hochzeitsfotografen an. Auf Empfehlung einer Freundin rief sie hierzu einen gewissen Fred Linse an, seines Zeichen Lichtbildner. Der genaue Verlauf des Gespräches kann nicht mehr rekonstruiert werden, in etwa dürfte sich aber Folgendes zugetragen haben.

Mausi: Ja, Tag. Sie wurden uns empfohlen aufgrund Ihrer Brennwinkel. Wir würden Sie gerne für unsere Hochzeit engagieren.
Linse, etwas verschlafen: Ja klar, …
Mausi: Ah, sehr schön. Könnten wir dann bis heute Abend das Angebot haben, ach ja, gleich noch eine Mustermappe, ja und …
Linse, noch verschlafen: Hm, und …
Mausi: Super. Nächste Woche dann ein Termin bei uns, man muss sich ja kennenlernen, so menschlich, sie wissen ja. Und dann noch einen gesonderten Termin für die Location, wäre dass in einem Monat okay?
Linse, halb wach: Hm, ja, ganz kurz nur, wann ist denn die Hochzeit, die von Ihnen …
Mausi: Schon in KNAPP 8 Monaten!!!
Linse, wach: In ACHT Monaten, Mensch, dass ist ja noch massig Zeit, da …

Dies war der Moment, als das Gespräch abbrach. Kollegen von Mausi sagten später bei Polizei und beim Katastrophenschutz aus, dass sie vorher tatsächlich nicht wussten, dass das Büro von Mausi eigentlich eine jederzeit abschussbereite interstellare Rakete war, welche offensichtlich durch männliche Ignoranz gezündet werden konnte. Normale Menschen explodieren zwar auch, dies allerdings in einer etwas übertragenen Art und Weise. Bei Mausi hingegen wurden alle Raketenstufen ganz konkret gezündet, sie hob mitsamt ihrem Büro ab und trat in eine erdnahe Umlaufbahn ein.

Max schaut nun jeden Abend gen Himmel und hofft auf die Rückkehr seiner Zukünftigen. Dies mit dem sicheren Wissen, dass die Landung – und damit die Laune von Mausi – wohl nicht sanft werden dürfte. Auch hat er Angst, dass die Zeit nun ja immer knapper werden würde. Wie sollten Sie denn diese ganzen Hochzeitsvorbereitungen nur schaffen, Mensch!? Auf alle Fälle musste er sich um einen neuen Fotografen kümmern, der Aufenthalt von Fred Linse wurde zuletzt mit irgendwo im Süden angegeben.

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